Liebe Gäste,
manche Orte berühren uns so tief, dass es schwerfällt, ihren Zauber in alltägliche Worte zu fassen. Im Laufe der Jahrhunderte haben viele aufmerksame Beobachter, von Literaten bis hin zu gekrönten Häuptern, versucht, das Geheimnis von Potsdam zu ergründen. Lassen Sie uns heute gemeinsam in den Aufzeichnungen blättern und den Stimmen derer lauschen, die das Wesen dieser Stadt so meisterhaft in Worte gekleidet haben.
Lassen Sie sich einstimmen auf eine Stadt, die wie keine andere ist.
Ein Märchen aus Stein und Licht
Schon in den 1920er Jahren fühlte die Schriftstellerin Dorothee Goebeler genau jene Magie, die auch mich jeden Tag aufs Neue fasziniert. In ihren „Potsdamer Plaudereien“ von 1924 beschrieb sie die Stadt mit Worten, die reiner Poesie gleichen:
„Sie ist eine Kostbarkeit, diese alte Stadt. Eine Melodie ist sie, süß und verträumt, ein Märchen, aus dem es raunt und flüstert. Ecken und Winkel gibt es hier, die seitab liegen, von den Wegen, die der Tourist geht, menschenleere Gassen, wo die Häuser schweigend und wie verzaubert stehen, Häuser mit ragenden Säulen und phantastischem Bildwerk … mehr Paläste als Häuser. Denn es hat etwas, was andere Städte nicht haben, etwas ganz Eigenes und Einzigartiges – seine Architektur. Es sind italienische Paläste, die hier stehen, und du meinst, du seist in Rom, du seiest in Florenz, der Blumenstadt, zwischen den sinkenden Palästen Venedigs. Das ist Potsdam, die Märchenstadt … der steingewordene Königstraum.“
Dass dieser „Königstraum“ nicht nur an den Fassaden haftet, sondern die gesamte umgebende Natur durchdringt, spürte auch das britische Königshaus. Der heutige König Charles III. schwärmte bereits als Thronfolger von dieser einmaligen Synthese:
„Ein Juwel, gefasst in eine atemberaubende Landschaft aus Hügeln, geschmückt mit Villen von Schinkel, Persius und ihresgleichen. Potsdam ist ein Ort, der die tiefe Sehnsucht derer, die es erbauten, bezeugt – um die Landschaft ringsum zu umarmen und aus ihr ein Gesamtkunstwerk zu schaffen.“
Ein Plädoyer für die Langsamkeit
Es ist erstaunlich, wie zeitlos die Ratschläge wahrer Potsdam-Kenner sind. Schon vor über einem Jahrhundert, als die ersten motorisierten Reisegruppen aufkamen, mahnten die Gelehrten zur Ruhe. Dr. Hans Kania schrieb 1910 in seinem Vorwort zum „Illustrierten Führer in Potsdam“:
„Ein Durcheilen Potsdams als Nachmittagsausflug von Schloss zu Schloss ist ohne jeden Wert. Ein längerer Aufenthalt ist unbedingt notwendig… Wer das Stadtbild vernachlässigt, beraubt sich eines hohen Genusses… ganze Straßenzüge atmen Kunst und Geschichte.“
Sein Zeitgenosse Dr. Netto pflichtete ihm mit Worten bei, die mir als Ihr privater Stadtführer ganz besonders aus der Seele sprechen:
„Die in den letzten Jahren aufgetretene Mode, im Riesenauto sich wenige Stunden hier umherfahren zu lassen… sollte allgemein bekämpft werden. Wie anders empfindet derjenige, der auf den Besuch Potsdams einige Tage verwendet. Wie wundervoll ist gerade hier der Morgen, wenn rings die Gärten und Parks im Morgensonnenglanze duften, wenn auf der Havel der Morgenverkehr beginnt… und Potsdam erwacht.“
Die Leinwand der preußischen Könige
Dass wir dieses architektonische Gesamtkunstwerk heute bewundern dürfen, verdanken wir der fast schon besessenen Kunstliebe der Hohenzollern. Dr. Hans Kania fasste die Entstehung des unverwechselbaren „Potsdamer Stils“ treffend zusammen:
„Allen preußischen Herrschern war ein lebhaftes Interesse für die königliche Kunst der Architektur eigen… Sie verfolgten mit aufmerksamem Blick die Bewegungen, die sich auf künstlerischem Gebiet vollzogen. Unverkennbar ist aber die Entwicklung eines eigenen Potsdamer Stils und Kolorits trotz aller fremden Anregungen. Die Bauten scheinen wie aufeinander abgestimmt. Sie werden unzweifelhaft durch einen einheitlichen Rhythmus verbunden.“
Besonders Friedrich der Große nutzte die Straßen seiner Residenzstadt als Bühne. Er ging daran, so notierte Kania, „die Straßenfronten künstlerisch umzugestalten“, sodass das Auge „einen prächtigen Anblick“ genießen konnte.
Ein königliches Augenzwinkern
Doch bei all dieser Erhabenheit bot die friderizianische Inszenierung auch Anlass zum Schmunzeln. Friedrichs Vorliebe für prächtige Fassaden, hinter denen sich oft ganz einfache Bürgerhäuser verbargen, blieb den Zeitgenossen nicht verborgen. So wurde überliefert, dass Besucher der Stadt einst spöttisch, aber nicht ganz unzutreffend bemerkten:
„Potsdam sei die Stadt, die mehr Attikafiguren und Amphoren auf den Dächern hätte als Einwohner, und in der die Armut in Palästen wohne.“
In der Tat thronten allein am Alten Markt über 500 prächtige Attikabekrönungen auf den umliegenden Dächern, während das Stadtschloss mit weiteren 76 Figuren in den Himmel ragte.
Nehmen Sie sich die Zeit
Die Stimmen der Vergangenheit rufen uns eines ganz deutlich zu: Potsdam möchte nicht flüchtig konsumiert, sondern mit wachen Sinnen erlebt werden. Gerne nehme ich Sie mit auf eine exklusive Entdeckungsreise abseits der eiligen Touristenpfade. Lassen Sie uns gemeinsam durch die menschenleeren Gassen schlendern, von denen Dorothea Goebeler träumte, und dem Rhythmus der preußischen Baumeister nachspüren.

